LMS-Mediengespräche 2017: Statements zu Demokratie und Medien am Tag der Pressefreiheit

Statements zu Demokratie und Medien am Tag der Pressefreiheit

Anlässlich des Internationalen Tags der Pressefreiheit am 3. Mai hat die Landesmedienanstalt Saarland gemeinsam mit dem Saarländischen Journalistenverband und der Siebenpfeiffer-Stiftung zu einer Veranstaltung zum Thema Demokratie und Medien eingeladen.
Die Medienwelt befindet sich durch strukturelle Veränderungen und politische Umbrüche in globaler Bewegung. Neue Verbreitungswege und Kommunikationsformen nehmen Einfluss auf Informationsfülle, Informationsauswahl und Wahrnehmung der medial vermittelten Weltsicht. Eine neue Fülle an Informationen und deren gefühlte Unordnung gehen einher mit verdeckten und offenen Einflussnahmen auf gesellschaftliche und politische Kommunikation, mit Einschränkungen der Informations- und Meinungsfreiheit auch in Europa sowie einer Glaubwürdigkeitskrise der traditionellen Presse und des Rundfunks.

Im Anschluss an die Fachvorträge wurden die anwesenden Journalisten zum Thema Demokratie und Medien befragt.

Hier geht’s zum Video

Hier geht’s zum Video auf YouTube

LMS-Mediengespräche 2017: Ulli Wagner im Talk mit Martin Schlak (Redakteur beim Reportagemagazin „GEO“) und Andre Wolf (Content- und Social Media Coordinator)

Information und Desinformation angesichts von Fake News und staatlicher Propaganda

Über „Information und Desinformation angesichts von Fake News und staatlicher Propaganda“ spricht die Vorsitzende des Saarländischen Journalistenverbandes Ulli Wagner mit Martin Schlak und Andre Wolf.
Die SR-Journalistin befragt den Redakteur des Reportagemagazins GEO, Martin Schlak, über seine Erfahrungen während eines Undercover-Praktikums in der Berliner Redaktion von Russia Today. Als Fazit seiner Recherche kam Schlak zu der Bewertung: „Wahrheit ist das höchste Gut im Journalismus. Sie abzubilden, ist die wichtigste Aufgabe eines Journalisten. Gelenkte oder propagandistische Medien wie RT Deutsch produzieren dagegen alternative Wahrheiten, die besser in ihr Weltbild passen. Sie wollen den Glauben daran auflösen, dass es so etwas wie die wahre Version eines Ereignisses überhaupt gibt.“
Über den Umgang mit Wahrheit und Möglichkeiten der Entlarvung von Falschmeldungen im Internet berichtet Andre Wolf, Content- und Social-Media Coordinator der Initiative Mimikama – Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch mit Sitz in Wien. „Unsere Arbeit ist nicht als Hochglanzprojekt am Reißbrett entworfen worden, sondern selbst aus der Not entstanden. Mimikama hat eine Lücke gefüllt, welche den Verein selbst hervorgebracht hat“, so Wolf. „Das flächendeckend verfügbare Internet, sowie die einfache Teilnahme an sozialen Netzwerken hat zu einer sehr schnellen Kommunikationskultur geführt, in welcher durch vorschnelles Kommunizieren nicht nur von Privatpersonen, sondern häufig auch durch Medien die inhaltliche Qualität leidet.“ Seine Einschätzung zur Lage der heutigen Informationsgesellschaft lautet: „Wir leben nicht mehr in den Achtziger- oder Neunzigerjahren des letzten Jahrtausends. Wir können und dürfen nicht mehr zwischen »realer« und »virtueller« Welt unterscheiden, denn wir sind mittlerweile so weit vorgedrungen, dass beide Welten ineinander übergegangen sind.“

Hier geht’s zum Video

Hier geht’s zum Video auf YouTube

LMS-Mediengespräche 2017: Lothar Keller (Moderator des RTL-Nachtjournals)

Glaubwürdigkeitskrise der Medien?
Mit professioneller Ausbildung, verantwortungsvollem Journalismus und Qualitätsstandards in der Berichterstattung gegen die „gefühlte Wahrheit“ in postfaktischen Zeiten

Einer vorgeblichen oder tatsächlichen „Glaubwürdigkeitskrise der Medien“ könne in „postfaktischen Zeiten“ mit professioneller Ausbildung, verantwortungsvollem Journalismus und der Einhaltung von Qualitätsstandards in der Berichterstattung erfolgreich begegnet werden, so Lothar Keller. „Das Internet hat die Schnelligkeit im Journalismus neu definiert. Diesen Wettbewerb können die klassischen Medien nicht gewinnen. Wir verlieren an Glaubwürdigkeit, wenn wir beim Versuch, genauso schnell zu sein, genauso viele Fehler machen. Gewinnen können wir nur, wenn wir die Menschen inhaltlich überzeugen, ihnen professionelle Einordnung der Informationen bieten, und wenn sie sich auf uns verlassen können. Unser Motto sollte daher sein: `Be first, but be first right!´“

Hier geht’s zum Video

Hier geht’s zum Video auf YouTube

LMS-Mediengespräche 2017: Dr. Eva Wagner (Expertin für Medienrecht, Öffentliches Recht, Völker- und Europarecht an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz)

Die Medienfreiheiten – Gewährleistungen, Einschränkungen und Verantwortung

Dr. Eva Wagner beleuchtet sowohl die grundrechtlichen Garantien für die Informationsfreiheit der Bürgerinnen und Bürger als auch die Notwendigkeit unabhängiger Medien, die hierfür eine „grundsätzlich diskriminierungsfrei erschlossene Informationsgrundlage“ zu schaffen hätten. Anderenfalls liefe dieses Grundrecht ins Leere. Insoweit könnten die Massenmedien als „kollektives Wissen der Gesellschaft“ angesehen werden. Ihnen komme eine gesellschaftliche Aufgabe zu bei der Gewährleistung eines freiheitlichen Meinungsbildungsprozesses. „Sauber recherchierte Berichte und darauf aufbauende begründete Meinungsäußerungen haben auch in der sog. Informationsgesellschaft nichts von ihrem Wert eingebüßt“, so die Expertin für Medienrecht, Öffentliches Recht, Völker- und Europarecht an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Hier geht’s zum Video

Hier geht’s zum Video auf YouTube

Digitalisierung, Repression, Opportunismus und Selbstzensur – die alten und neuen Gefahren der Meinungsfreiheit

Uwe Conradt

Anlässlich des Internationalen Tags der Pressefreiheit am 3. Mai 2017 erklärt der Direktor der Landesmedienanstalt Saarland, Uwe Conradt:

„Meinungsfreiheit und Medienvielfalt sind Voraussetzungen für Demokratie und Rechtsstaat. Der Internationale Tag der Pressefreiheit ist für die LMS in diesem Jahr nicht nur Anlass, den Journalisten und allen Medienschaffenden für ihre Arbeit zu danken, sondern auch, um auf gefährliche Entwicklungen im Aus- und Inland hinzuweisen.

Die erste Phase der Digitalisierung hat zu einem erheblichen Gewinn an medialen Angeboten und an Meinungsfreiheit geführt, allerdings zeigt sich nun in der zweiten Phase der Digitalisierung, dass es keine Gleichung gibt, die da lautet: Mehr Digitalisierung = mehr Meinungsfreiheit.

Die ökonomischen Rahmenbedingungen führen zu disruptiven Veränderungen, die Auswirkungen auf die Vielfalt des Medienangebots haben. Lokal-TV und regionale Tageszeitungen leiden seit Jahren unter einem zunehmenden Druck aufgrund von Verschiebungen des Werbemarktes, der nicht nur bei diesen eine Bedrohung für den journalistisch-redaktionell arbeitenden und unabhängigen Qualitätsjournalismus darstellt. Ein immer größeres Stück des Werbekuchens geht an wenige internationale Plattformanbieter und Intermediäre, die aufgrund ihrer Marktstärke und technologischen Kompetenz die Auffindbarkeit der Angebote und die Wahrnehmung durch Nutzer steuern können. Da der regulatorische Ordnungsrahmen zur Sicherung der Medien- und Meinungsvielfalt bislang auf diese Entwicklung kaum ausgerichtet ist, ist die positive Medienordnung in Gefahr. Die Beschlüsse der Bund-Länderkommission zur Regulierung von Intermediären sollten deshalb schnellstmöglich umgesetzt werden. (mehr …)

Talk Uwe Conradt / Dr. Helmut Gebauer, Geschäftsführer des Wochenspiegel Verlages und Suzanne Walgenbach, Leitung Marketing des Wochenspiegel Verlages

Augmented Reality als neues Geschäftsfeld der Printpresse

Im Talk mit LMS-Direktor Uwe Conradt präsentieren der Geschäftsführer des Wochenspiegel Verlages, Helmut Gebauer, und Suzanne Walgenbach ihr neues Geschäftsfeld: Augmented Reality, sprich die Verbindung von virtueller Realität und Realität. Mit der neuen Wochenspiegel-App möchten Walgenbach und Gebauer die  Ausgabe zum Leben erwecken und interaktiver machen. Die App ermöglicht die Verknüpfung von gedruckten Zeitungsinhalten mit digitalen Zusatzfeatures wie z.B. Videos oder Fotogalerien. Die App wurde im Rahmen eines Forschungsprojektes (INTeRACT4AP) zwischen Scheer Management, dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), dem Bundesforschungsministerium und dem Wochenspiegel Verlag entwickelt. Auch die LMS war an dem Forschungsvorhaben als assoziierter Partner beteiligt.

Hier geht’s zum Video

Hier geht’s zum Video auf YouTube

LMS-Mediengespräche 2017: Talk Uwe Conradt / Prof. Dr. Katharina Zweig (Algorithmenforscherin an der TU Kaiserslautern)

Fake News – Manipulation durch Falschmeldungen

Prof. Dr. Katharina Zweig erforscht an der Technischen Universität Kaiserslautern Algorithmen, wie etwa meinungsbildende Algorithmen, die beispielsweise bei Sozialen Netzwerken stark in die Verbreitung von Nachrichten und Inhalten eingreifen.

Im Zuge der gesellschaftlichen Debatte über Fake News und deren Auswirkungen auf den Meinungsbildungsprozess schlägt Prof. Dr. Katharina Zweig im Rahmen der Veranstaltung der Landesmedienanstalt Saarland „#FakeNews – Manipulation durch Falschmeldungen“ eine Art Algorithmen-TÜV zur Förderung der Transparenz vor. 

Hier geht’s zum Video

Hier geht’s zum Video auf YouTube

LMS-Mediengespräche 2017: Talk Uwe Conradt / Peter Stefan Herbst (Chefredakteur der Saarbrücker Zeitung)

Fake News – Manipulation durch Falschmeldungen

Im Zuge der US-Präsidentschaftswahl wurden öffentlichkeitswirksam immer wieder Falschmeldungen mit dem Ziel der Meinungsmanipulation lanciert. Die Wahl gilt somit als Auslöser für die Debatte um das Thema Fake News, die im Nachgang nun auch in Deutschland angekommen ist.

Peter Stefan Herbst, Chefredakteur der Saarbrücker Zeitung und Vorsitzender der Arbeitsgruppe für Öffentlichkeitsarbeit im Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger, hielt im Rahmen der Veranstaltung der Landesmedienanstalt Saarland „#FakeNews – Manipulation durch Falschmeldungen“ einen Vortrag zum Thema Falschmeldungen und Lügenpresse. Der Chefredakteur der Saarbrücker Zeitung schildert in seiner interessanten Präsentation nicht nur, wie Journalisten gegen den Vertrauensverlust in die Medien vorgehen können, sondern präsentiert auch Lösungsvorschläge für den Umgang mit Fake News. 

Hier geht’s zum Video

Hier geht’s zum Video auf YouTube

LMS-Mediengespräche 2017: Talk Uwe Conradt / Thomas-Gabriel Rüdiger (Kriminologe, Fachhochschule der Polizei des Landes Brandenburg)

Von digitalen Selbstdarstellern, Opfern und Tätern – Wie können Kinder und Jugendliche im digitalen Raum geschützt werden?

Der Kriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger forscht am Institut für Polizeiwissenschaft der Fachhochschule der Polizei des Landes Brandenburg und setzt sich dafür ein, dass die Sicherheitsbehörden auch im digitalen Raum spürbar sind.

Im Talk mit LMS-Direktor Uwe Conradt anlässlich des Safer Internet Day 2017 erläutert er am Beispiel von Online-Spielen, was zu beachten ist, damit Kinder und Jugendliche im digitalen Raum besser geschützt werden können. Er erklärt, warum Eltern selbst bei Spielen mit Altersfreigabe 0 nicht davon ausgehen können, dass ein Spiel uneingeschränkt für ihre Kinder geeignet ist, und gibt Tipps wie ein digitaler Raum, der von Interaktion und Kommunikation zwischen unbekannten Personen geprägt ist, sicherer gestaltet werden könnte. Nicht nur müsse bei vielen Nutzern das Bewusstsein für potentielle Gefahren und für die Gültigkeit von Normen vertieft werden, auch Maßnahmen und Kriterien im Bereich der Aufsicht bedürfen ständiger Anpassung.

Hier geht’s zum Video

Hier geht’s zum Video auf YouTube

Neue Formen politischer Kommunikation als Gegenstand einer positiven Ordnung 4.0

Dr. Jörg Ukrow

Dr. Jörg Ukrow

10 Thesen zu Gunsten einer medienrechtlichen Regulierung des Einsatzes von social bots in der Form von chat bots in Wahlkämpfen

Social Bots in sozialen Netzwerken haben spätestens seit der Debatte über ihren Einsatz während der US-Präsidentschaftswahlkampagne 2016 transatlantische Aufmerksamkeit erfahren. Im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 wird auch in Deutschland über Fragen ihrer Einhegung diskutiert und hierbei insbesondere auf das Instrument der freiwilligen Selbstkontrolle gesetzt.

Der nachfolgende Beitrag will diese Debatte unter Auswertung vorhandener Regulierungsansätze insbesondere im deutschen Medienrecht bereichern: Er zeigt auf, dass auch an dieser Stelle der sich entwickelnden digitalen Kommunikationsgesellschaft hoheitliche Regulierung nicht nur möglich bleibt, sondern auch geboten sein kann. (mehr…)