LMS-Mediengespräche 2017: Talk Uwe Conradt / Thomas-Gabriel Rüdiger (Kriminologe, Fachhochschule der Polizei des Landes Brandenburg)

Von digitalen Selbstdarstellern, Opfern und Tätern – Wie können Kinder und Jugendliche im digitalen Raum geschützt werden?

Der Kriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger forscht am Institut für Polizeiwissenschaft der Fachhochschule der Polizei des Landes Brandenburg und setzt sich dafür ein, dass die Sicherheitsbehörden auch im digitalen Raum spürbar sind.

Im Talk mit LMS-Direktor Uwe Conradt anlässlich des Safer Internet Day 2017 erläutert er am Beispiel von Online-Spielen, was zu beachten ist, damit Kinder und Jugendliche im digitalen Raum besser geschützt werden können. Er erklärt, warum Eltern selbst bei Spielen mit Altersfreigabe 0 nicht davon ausgehen können, dass ein Spiel uneingeschränkt für ihre Kinder geeignet ist, und gibt Tipps wie ein digitaler Raum, der von Interaktion und Kommunikation zwischen unbekannten Personen geprägt ist, sicherer gestaltet werden könnte. Nicht nur müsse bei vielen Nutzern das Bewusstsein für potentielle Gefahren und für die Gültigkeit von Normen vertieft werden, auch Maßnahmen und Kriterien im Bereich der Aufsicht bedürfen ständiger Anpassung.

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Neue Formen politischer Kommunikation als Gegenstand einer positiven Ordnung 4.0

Dr. Jörg Ukrow

Dr. Jörg Ukrow

10 Thesen zu Gunsten einer medienrechtlichen Regulierung des Einsatzes von social bots in der Form von chat bots in Wahlkämpfen

Social Bots in sozialen Netzwerken haben spätestens seit der Debatte über ihren Einsatz während der US-Präsidentschaftswahlkampagne 2016 transatlantische Aufmerksamkeit erfahren. Im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 wird auch in Deutschland über Fragen ihrer Einhegung diskutiert und hierbei insbesondere auf das Instrument der freiwilligen Selbstkontrolle gesetzt.

Der nachfolgende Beitrag will diese Debatte unter Auswertung vorhandener Regulierungsansätze insbesondere im deutschen Medienrecht bereichern: Er zeigt auf, dass auch an dieser Stelle der sich entwickelnden digitalen Kommunikationsgesellschaft hoheitliche Regulierung nicht nur möglich bleibt, sondern auch geboten sein kann. (mehr…)

Saarbrücker Medienimpulse berichteten vom IT-Gipfel

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Der Nationale IT-Gipfel fand am 16. und 17. November 2016 in Saarbrücken statt. Hochrangige Experten trafen sich unter dem Motto Digitalisierung und Bildung. Die Saarbrücker Medienimpulse sprachen in der Blauen Lounge der Landesmedienanstalt Saarland mit Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Forschung und Politik über die Digitalisierung. Mit Gästen und Beobachtern des IT-Gipfels wurden insbesondere der Bereich „IT und Medien“ beleuchtet. Die Themenpalette umfasste z. B. Newsfeed/Big Data, Medienrecht/Informationsfreiheit, Fragen der Medienkonvergenz, Medienforschung und Medienethik.

Hier finden Sie alle Interviews.

Fachtagung Virtual Gaming: Fachjournalist und Spieleexperte Jürgen Kroder im Interview

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„Der Spielemarkt, Verbreitungswege und Trends der Nutzung“ waren Gegenstand der Präsentation des Fachjournalisten Jürgen Kroder aus Mainz im Rahmen der Fachtagung „Virtual Gaming – Vom Spiel zur Sucht“. Der Experte mit eigener Entwicklungserfahrung belegte anschaulich, wie sich in den letzten Jahren das Bild des ‚typischen‘ Gamers gewandelt hat. Kroder informierte über Genres und Verbreitungsstrukturen aber auch Erlösmodelle eines Marktes, der immer stärker onlinebasiert ist. Nach aktuellen Schätzungen verfüge Deutschland mit einer Umsatzgröße von 2,8 Milliarden € über den fünftgrößten Spielemarkt weltweit. Problematische Entwicklungen zeigte Kroder hinsichtlich bestimmter Spieleinhalte auf, die z.B. propagandistischen Zwecken dienen könnten. Aber auch die Wege der Monetarisierung von Spielen wurden näher beleuchtet. Zunächst im Vertrieb kostenfrei angebotene Spiele entwickelten sich teilweise durch kostenpflichtige Zusatzangebote zu den größten Umsatzbringern. Dabei würden auch Abhängigkeiten genutzt und in der Branche als „Wale“ bezeichnete heavy User zu hohen Ausgaben veranlasst.

Angesichts dieser Entwicklungen sei es dringend geboten, die Spielewelt als neuen Kultur- und Wirtschaftssektor zu würdigen aber auch durch Medienbildung Aufklärung zu leisten und Problembewusstsein zu schaffen, so Kroder.

Hier finden Sie das Interview in voller Länge.

Immer noch alles Rundfunk? Vielfaltsicherung in fragmentierten Märkten

Impuls von Prof. Dr. Stephan Ory, Vorsitzender des Medienrates der LMS, Vorsitzender des Vorstandes und Direktor des Institut für Europäisches Medienrecht (EMR)
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Professor Dr. Stephan Ory

Rundfunk als lineares Programm hat weiterhin hohe Nutzungszahlen, egal über welchen Vertriebsweg, d.h. klassische oder IP-basierte Vertriebswege. Kleinanbieter wie die saarländischen Anbieter, die in diesem Konzert mitmischen wollen, haben ihre Hauptumsätze im klassischen linearen Bereich. Die Umsätze aus dem Online-Bereich sind gering. Dies ist ein großes Problem, wenn man darüber nachdenkt, dass es nicht so bleiben wird, dass nämlich zukünftig kein Hauptvertriebsweg mehr bestehen wird, sondern sich die Verbreitung und Nutzung auffächern wird. Offen ist, wie schnell sich so ein Wandel vollzieht und hinsichtlich der Vielfalt und des journalistisch-redaktionellen  Angebots auswirkt. Weiterhin stellt sich die Frage, wie Online-Journalismus künftig finanziert werden soll. Denn es sollen Online-Journalisten sein und nicht Algorithmen, die Angebote nach journalistischen Grundsätzen zusammenschnüren.

Die Politik muss einen Ordnungsrahmen schaffen, der den Marktzutritt kleiner Unternehmen erlaubt.

Eine Aussage der ZDF-Doku Schöne neue Welt war, dass Silicon Valley deshalb prosperiert, weil die Politik nichts tut. Ein interessanter Ansatz, dem man unser Bundesverfassungsgericht entgegenstellen kann, das zum Thema Rundfunkfreiheit sagt, man brauche erst eine Ausgestaltung der Rundfunkfreiheit, bevor überhaupt Privatfunk gemacht werden kann. Argument hierfür ist, dass Fehlentwicklungen nicht rückholbar sind. Es ist feststellbar, dass bezogen auf das, was man im Internet findet, das, was das Bundesverfassungsgericht zur Rundfunkfreiheit im klassischen Bereich entwickelt hat, eigentlich nichts mehr wert ist. Die Politik hat hier die Aufgabe, einen Ordnungsrahmen zu schaffen, der künftig auch kleinen und mittleren Unternehmen einen Marktzutritt erlaubt, wobei ich mit Marktzutritt auch Vielfalt meine. Denn nur wer am Markt überhaupt auftreten kann, kann vielfältige Angebote machen. (mehr …)

Spielregeln des digitalen Marktes klarer definieren

Impuls von Uwe Conradt, Direktor der Landesmedienanstalt Saarland
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Uwe Conradt

Vieles, was mit dem Etikett „digital“ geschmückt wird, soll unser Leben schöner und einfacher machen. Es scheint, als wenn die Science-Fiction-Träume aus den technikgläubigen fünfziger Jahren nun endlich Realität werden könnten bzw. schon sind.

In der Tat ist die Bilanz der technischen Veränderungen beeindruckend. Nur jeder achte Bundesbürger ist kein Internetnutzer, weit über 20 Millionen Deutsche sind vernetzt in sozialen Netzwerken, von 1000 Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahren geben 990 an, über ein Handy, in der Regel ein Smartphone, zu verfügen. Dabei leben wir erst im Jahr 9 seit Einführung des iPhones und vieles spricht dafür, dass der ‚Tsunami an Innovationen’, wie es Claus Kleber in seiner ZDF-Dokumentation „Schöne neue Welt“ nannte, erst vor uns liegt.

Die Digitalisierung ist im Begriff alle Lebensbereiche zu durchdringen, mit Auswirkungen auf den Einzelnen, aber auch auf die Gesellschaft und ihre Strukturen. Wie ändert sich der demokratische Prozess in der digitalen Gesellschaft? Welchen Einfluss üben Medien auf diesen Prozess aus und welchen Einfluss können manche Unternehmen auf Medien ausüben? Diesen Fragen soll in diesem Artikel nachgegangen werden. Es liegt auf der Hand, dass die digitale Gesellschaft einen erheblichen Bedarf an einer der zentralen Aufgaben der Landesmedienanstalten hat, der Medienkompetenzförderung, die Menschen die digitale Teilhabe ermöglicht. Dieser Artikel soll jedoch weiter führen, denn Digitalisierung – soviel sei vorweg gesagt – betrifft die Medienregulierung in ihren Grundfesten. (mehr …)

Algorithmen und Interessen – Wer bestimmt unsere Wahrnehmung?

Professor Dr. Dieter Dörr, Direktor des Mainzer Medieninstituts

Professor Dr. Dieter Dörr, Direktor des Mainzer Medieninstituts

Die Medienangebote und ihre Verbreitung verändern sich in den letzten Jahren rasant, um nicht zu sagen revolutionär. Dieser Prozess ist in erster Linie technikgetrieben. Entscheidend dafür ist die Digitalisierung der Kommunikationsinfrastrukturen, die in ihrer Bedeutung von Norbert Schneider, dem früheren Direktor der Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen, bereits 2006 plastisch mit der Erfindung eines neuen Alphabets gleichgesetzt wurde.[1] Mit der Digitalisierung ist es möglich geworden, jedwede Kommunikationsinhalte auf verschiedenen Übertragungswegen zu verbreiten und für die Empfänger auf beliebigen Endgeräten verfügbar zu machen. Dies wird zutreffend als technische Konvergenz bezeichnet. Die fortschreitende Digitalisierung, die Leistungssteigerung der elektronischen Informations- und Kommunikationssysteme und ihre Privatisierung ergreifen immer mehr die Medienmärkte, also den Bereich der Inhalte und ihrer Verbreitung. Die Trennlinien zwischen dem Inhaltebereich (Medien) und den Übertragungssystemen (Kommunikation) werden unschärfer. Bisher getrennte Formen der Produktion, Darstellung, Speicherung, Verbreitung und Suche von Inhalten verschmelzen auf digitalen Plattformen weitgehend miteinander. Traditionelle Mediengattungen erleben ebenso einen Bedeutungswandel wie traditionelle Kategorien von Verbreitungssystemen. Diese Entwicklungen werden vielfach als inhaltliche Konvergenz bezeichnet. So treten etwa neben das klassische Fernsehen in großer Zahl weitere mediale Angebote, deren Bedeutung sich dem Fernsehen mehr und mehr annähern. Zudem sind die Unterschiede zwischen dem Fernsehen als einer Form des einfachgesetzlichen Rundfunks und Online-Angeboten bei weitem nicht mehr so ausgeprägt wie früher. Bei vielen Abrufangeboten besteht, abgesehen von der Linearität, inhaltlich überhaupt kein Unterschied mehr. (mehr …)

Wie setzt man einem grenzenlosen Medium Grenzen?

Annegret Kramp-Karrenbauer, Ministerpräsidentin des Saarlandes

Annegret Kramp-Karrenbauer, Ministerpräsidentin des Saarlandes

Viele berichten uns mit leuchtenden Augen von der „neuen Pilgerstätte“ Silicon Valley. Sie erzählen mit welcher Geschwindigkeit und Freiheit dort gearbeitet wird und wie eng und reguliert unsere Situation im Vergleich scheint – das betrifft uns zum Beispiel auch im Forschungsfeld der Universität.

Silicon Valley kann und darf allerdings nicht unüberlegt in alle anderen Länder übertragen werden, denn wir haben in Deutschland und in Europa andere Strukturen und Traditionen.  Wir müssen uns hier kritisch mit dem Thema auseinandersetzen: Zum einen gilt es die positiven Aspekte von Silicon Valley zu erkennen und sie für uns zu nutzen. Zum anderen ist es aber auch wichtig Silicon Valley kritisch zu hinterfragen und mögliche negative Konsequenzen abzuwägen.

Als es vor einigen Jahren zum sogenannten arabischen Frühling kam, hieß es, dass die neue digitale Welt mit ihren Kommunikationsmöglichkeiten der Demokratie einen kräftigen Schub gibt. Durch die schnelle Verbreitung von Informationen könne sie breite Massen in Bewegung bringen.

Heutzutage stellen wir uns die Fragen: Wer stellt die Informationen zur Verfügung, wer bereitet sie auf, wer entscheidet darüber, in welcher Reihenfolge die Ergebnisse einer Suchmaschine stehen. Denn schnell entsteht der fälschliche Eindruck, dass die angezeigte Reihenfolge der Suchergebnisse ihre Vertrauenswürdigkeit widerspiegelt. Dem ist jedoch nicht so, denn hinter dem System steckt ein Algorithmus; und nur diejenigen, die ihn beherrschen, können ihn steuern. (mehr …)

Bestimmt die Künstliche Intelligenz welche Nachrichten wir lesen?

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Professor Wolfgang Wahlster

Die „Saarbrücker Medienimpulse“ sprachen mit dem Direktor und Vorsitzenden der Geschäftsführung des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI GmbH) Prof. Wolfgang Wahlster (Foto: Jim Rakete) über die Bedeutung der Künstlichen Intelligenz für die Medien und die Sicherung der Meinungsvielfalt.

Saarbrücker Medienimpulse: Ob soziale Netzwerke, Suchmaschinen oder News-Aggregatoren, die Online-Plattformen bestimmen zunehmend, welche Nachrichten von Menschen wahrgenommen werden. Welche Rolle spielen bei der Nachrichtenauswahl selbstlernende Algorithmen und andere Technologien der Künstlichen Intelligenz? (mehr …)